Cloud-Souveränität: Experteneinschätzungen von Patrick Carl
Die souveräne Cloud weckt hohe Erwartungen, insbesondere bei sensiblen Branchen. Doch wie realistisch ist es, dass sie alle Compliance-Fragen löst, und worauf sollten CIOs achten, wenn sie den Umstieg planen? Patrick Carl, Vorstand bei Portal Systems, gibt Einblicke in Chancen, Stolpersteine und den tatsächlichen Nutzen souveräner Cloud-Angebote.
Frage: Viele hoffen, dass die souveräne Cloud alle Compliance-Fragen löst. Ist das eine realistische Erwartung?
Patrick Carl:Nein. Das Cloud-Angebot ist ein wichtiger Baustein, aber nicht alles. Auch die internen technischen und organisatorischen Maßnahmen, die eigenen Prozesse und zum Beispiel das Berechtigungsmanagement müssen ordentlich geregelt sein.
Frage: Aus Ihren Projekten: Wo liegen die größten Stolpersteine, wenn Behörden oder Unternehmen souveräne Cloud-Angebote nutzen wollen?
Patrick Carl: Entscheidend ist, ob diese Angebote wettbewerbsfähig sind. Sowohl funktional als auch wirtschaftlich. Das war bei der Deutschland-Cloud vor einigen Jahren nicht der Fall und somit sind die Kunden nicht mitgegangen, sondern beim Standard-Angebot geblieben.
Welche Rolle spielt die souveräne Cloud für Organisationen aus dem öffentlichen Sektor?
Frage: Was würden Sie einem CIO im öffentlichen Sektor raten, der heute überlegt, auf eine souveräne Cloud zu setzen?
Patrick Carl: Hier kommt es auf die Ausgangssituation an. Organisationen aus dem öffentlichen Sektor nutzen schon teilweise M365. Eventuell gibt es dort Bereiche, die bisher ausgeklammert sind, die mit einer souveränen Cloud abgedeckt werden könnten. Falls die Organisation bisher der Cloud ferngeblieben ist, könnte die souveräne Cloud ein guter Hebel sein, um die Reise anzutreten und anzufangen.
Frage: Wird die souveräne Cloud Ihrer Meinung nach ein Standardmodell in Europa werden, oder bleibt sie ein Spezialthema für sensible Branchen?
Patrick Carl: Das ist eine spannende Frage. Microsoft und seine Partner konnten aus dem Misserfolg von vor ein paar Jahren lernen. Ob das neue Angebot wettbewerbsfähig sein wird, entscheiden die Kunden. Wenn genügend mitgehen, wird es ein Erfolg. Als Standard sehe ich es aber nicht. Denn auch das bisherige Angebot von Microsoft ist bereits sehr gut und Kunden können es sicher nutzen.
Best Practices: So gehen souveräne Cloud und Microsoft Hand in Hand
Cloud-Technologien bieten Unternehmen die Möglichkeit, IT-Infrastrukturen und Geschäftsmodelle zukunftssicher zu gestalten. Unternehmen, die die Implementierung der Cloud strategisch planen, profitieren von höherer Effizienz, Sicherheit und Kontrolle. Folgende Punkte zeigen, wie eine erfolgreiche Cloud-Strategie gelingen kann:
- Cloud für digitale Transformation nutzen: Setzen Sie die Cloud gezielt ein, um Abläufe, Produkte, Services und Ihr ECM zu modernisieren und Ihr Unternehmen fit für die Zukunft zu machen.
- Wichtige Anwendungen in die Cloud bringen: Migrieren Sie zentrale Tools wie Collaboration, HR-Systeme, ERP oder Datenbanken in die Cloud. Multi-Cloud-Lösungen bieten dabei zusätzliche Flexibilität.
- Cloud-Native-Prinzipien anwenden: Entwickeln und modernisieren Sie Anwendungen mit Methoden wie Microservices, DevOps, CI/CD und Containern, um schneller und flexibler zu reagieren.
- Cloud-Nutzung effizient steuern (FinOps): Technologie-, Finanz- und Geschäftsteams arbeiten zusammen, treffen datenbasierte Entscheidungen und behalten Kosten jederzeit im Blick.
- Digitale Souveränität sichern: Schützen Sie Ihre Daten und behalten Sie die Kontrolle, indem Sie Workloads klar einordnen und Datenschutz, Sicherheit und Compliance konsequent umsetzen.